Geschichte unserer Schule

Die Regelschule wurde 1972 erbaut. Von 1999 bis 2002 wurde sie für über 3,5 Millionen Euro modernisiert. Wir verfügen über helle, freundliche Räume, modern eingerichtete Fachkabinette, eine Aula mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten, einen Fahrstuhl für behinderte Mitschüler, eine Lehrküche und vieles mehr. Aber nicht nur die Naturwissenschaften haben bei uns neue und moderne Räume, auch die Ausstattung im Bereich Wirtschaft & Technik bzw. Werken ist auf dem neusten Stand. Sehr beliebt bei uns Schülern ist unser Computerkabinett.

Vom Schuldienst in Seebach

In alten Zeiten, das heißt, vor dem Jahre 1600 mussten die Kinder aus Seebach die Schule in Farnroda besuchen. Den mündlichen Überlieferungen zufolge soll aber bereits 1600 ein Schulraum vorhanden gewesen sein, jedoch ist dies nicht urkundlich verbürgt. Erst ab dem Jahre 1660 soll nach den schriftlichen Aufzeichnungen ein auf sumpfigem Grund erbauter Schulraum vorhanden sein. Die Schulhalter (Lehrer) wohnten dabei reihum bei den Bauern im Dorf und taten ihren Dienst für einen Hirtenlohn.

Seit 1673 hatte dann Seebach eine Stelle für einen Schulmeister und für diesen auch eine bessere Unterkunft. Der 1675 tätige Schulmeister Johann Michael Baumbach baute neben seinem Stall einen neuen Unterrichtsraum, in dem regulärer Schuldienst abgehalten wurde.

Seit 1720 befand sich dann Wohnung und Schulraum im Ottoschen Haus, auch Schulmeisterhaus genannt, (heute Grundstück Hauptstraße 92). Dieser Schulraum wurde bis 1746 in Seebach genutzt.

Wenn wir die Geschichte des Seebacher Schulwesens nun weiter verfolgen, treffen wir auf einen Mann, der wohl so viel für die Entwicklung des Ortes Seebach getan hat, wie vor und nach ihm kein anderer. Dieser Johannes Dicel, über den an der Steintafel von 1836, die an der Außenmauer der Kirche zu Seebach befestigt ist, geschrieben steht:

Herrn Johannes Dicel

Ihrem vormaligen treugesinnten Mitnachbar und unvergeßlichem Wohltäter, dem edlen Gründer aller hier bestehenden frommen Stiftungen für Kirche, Pfarrei und Schule, dem Erbauer dieses Gotteshauses …

Er wurde am 10. Oktober des Jahres 1676 als siebtes Kind des Tagelöhners und Leinewebers Hanns Nilcel Dicel in Seebach geboren. 1682 tritt Johannes Dicel in die Schule von Seebach ein. Er wird also vom erwähnten Johann Michael Baumbach unterrichtet. Gelehrt wurde in einem Klassenraum, in dem alle Kinder vom 1. bis zum 6. Schuljahr zusammengefasst waren. Für mehr als sechs Schuljahre hatte der Schulmeister keine Zeit, er muß er sich noch durch sein Schneiderhandwerk etwas dazuverdienen, weil die Schulmeisterbesoldung zum täglichen Leben für sich und seine Familie nicht reichte. Schon nach knapp vier Schuljahren ist Johannes Dicel von allen Schülern der weitaus beste. 

Aber mit seiner Gesundheit steht es nicht zum Besten. Mit knapp 12 Jahren erlernt er vom Vater das Handwerk eines Leinewebers und hilft mit im Tage­lohn. Die schwächliche körperliche Natur des Jungen und die ständige Arbeit in der Enge und Düsterheit der Leineweberei greifen seinen Körper immer mehr an. Da versucht er, sein Brot als Tüncher und Maler zu verdienen. Im Jahre 1694 stirbt Vater Nikel Dicel und zwei Jahre später stirbt auch dessen Frau.

Johannes Dicels Bruder Junghanns übernimmt nun das elterliche Haus und setzt den von Krankheit und Hunger geschwächten Jüngsten vor die Tür. Der Meier Hans Helm vom gräflichen Vorwerk Hucherode, ein Mann mit gutem Herzen, nimmt ihn in seinem Haus auf und im Frühjahr 1697 kann Johannes gesund und wieder gekräftigt das gastliche Haus verlassen.

Als Tüncher gibt es auch genügend Arbeit, so daß er sich im selben Jahr noch ein kleines, bescheidenes Haus in Seebach kaufen kann. Sein Glück ist vollkommen, als er am 19. Oktober 1697 Elisabeth Köllner als sein Eheweib nach Hause führen kann.

Bei seiner Arbeit kommt Dicel in viele Orte und viele Häuser und sieht dort auch mancherlei Krankheit und Elend. Oft wird er um Rat gefragt und gibt aus seiner Kenntnis über Heilkräuter eine kleine Hilfe. Immer deutlicher spürt er aber auch, daß es ihm gegeben ist, Krankheiten richtig zu erkennen. Er nutzt diese Gabe, indem er eine kleine Heilpraxis neben seiner eigentlichen Arbeit betreibt. Nachdem er in den Besitz eines etwa hundert Jahre alten Buches gekommen ist, das die Krankheiten und die zu ihrer Abwehr benötigten Heilkräuter beschreibt, fängt er nun an, intensiver seine Praxis zu betreiben. Täglich betreut er 30 bis 40 Patienten und wird im Volksmund als Wunderdoktor bezeichnet. Geld für seine Behandlung fordert Dicel keines, jedoch ist im Behandlungsraum eine Büchse aufgehängt, in die jeder das hineinwerfen kann, was ihm seine Gesundung wert ist.

So sammelt sich Groschen um Groschen und Taler um Taler.

Dieses Geld wurde von ihm dafür verwandt, für Seebach eine eigene Kirche (der Vorgänger war schon lange verfallen) zu schaffen, aber genauso für die weitere Entwicklung des Schulwesens. So setzt er 1720 das Gehalt für den Schulmeister auf 300 Taler im Jahr herauf und erweitert gleichzeitig den Grundbesitz der Schulstelle. Dadurch konnten nun acht Schuljahre unterrichtet werden, ohne das der Schulmeister um seine Existenz bangen musste. 1746 erwirbt Johannes Dicel gegenüber der Kirche ein Grundstück und es entsteht noch im gleichen Jahr das Seebacher Schulhaus. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Klassenräume und darüber ist die Wohnung für den Lehrer.

Um auch in der Zukunft Kirche und Schule die nötigen Mittel zukommen zu lassen, erweitert er 1747 den Schullehrergarten und das Pfarreiland. Für Kirche, Pfarre und Schule wird ein Kapitalfonds ausgesetzt, der groß genug ist, um aus den Zinsen die notwendigen Reparaturen bestreiten zu können.

Als Johannes Dicel am 9. November 1758 im Alter von 82 Jahren stirbt, hat er außer Grundbesitz und Inventar insgesamt 16.000 Taler für Armenpflege, Kirche, Pfarrei und Schule hingegeben. Noch zuletzt, kurz vor seinem Tode stiftet er das Johannes-Legat, eine Summe von 1.000 Talern, aus deren Zinsen den Armen von Seebach zu helfen ist, für bedürftige Kinder Schul­bücher bezahlt werden und anderen Gemeinden, die nicht die Mittel zum Kirchenbau aufbringen ein Zuschuss gewährt werden kann.

Das Seebacher Schulwesen hat sich auch nach Dicel weiterentwickelt, so kam 1911 ein neues Schulhaus hinzu, nachdem vorher schon an der alten Dicel ­Schule der sogenannte Schulsaal angebaut wurde. Grundstein aber für die gesicherte Durchführung legte Johannes Dicel. Bis zum Neubau der „POS „Karl Liebknecht (heute Johannes Dicel Schule) wurde in der alten Seebacher Dicel-Schule unterrichtet.

Über 200 Jahre stand diese von Johannes Dicel erbaute Bildungsstätte. Für uns heute sollte der Humanist und Menschenfreund Dicel und sein Wirken Vorbild für all unser Tun sein, denn gezählt wird nur das, was wir für den Menschen neben uns, den Nachbarn, den Freund, den Hilfebedürftigen leisten.